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Ich funktioniere. Aber lebendig fühlt sich anders an.

  • 20. Juli
  • 3 Min. Lesezeit


Ich höre diesen Satz oft. In leicht unterschiedlichen Worten, aber im Kern immer derselbe: Ich funktioniere, ich krieg alles hin, von außen sieht es aus wie ein gutes Leben und trotzdem ist da dieses Gefühl, neben mir selbst zu stehen und zuzuschauen, wie ich durch meinen eigenen Tag laufe.

 

Und dann kommt meistens die Frage, die sich eigentlich niemand stellen will, weil sie zu unbequem, vielleicht sogar zu schmerzhaft ist, um sie laut auszusprechen: Wer bin ich denn überhaupt, wenn ich gerade mal nichts leiste? Wenn niemand sieht, was ich heute geschafft habe? Wenn ich für ein Wochenende einfach nur da bin, ohne etwas vorzuzeigen?

 

Die meisten meiner Klient*innen, die mir diese Frage stellen, haben darauf keine schnelle Antwort. Und das ist auch völlig in Ordnung so, denn diese Frage ist auch nicht dafür gemacht, dass man sie sich an einem Nachmittag beantwortet.

 

Anja Praxenthaler hält den Flyer für ihre Gruppe: Selbstseindürfen. Ich bin. in die Kamera

Warum sich das so eingeschlichen hat

 

Ich glaube fest daran, dass niemand zufällig so wird, wie er oder sie ist. Wenn du gelernt hast, dass dein Wert irgendwie an das gekoppelt ist, was du leistest, dann hat das fast immer eine ziemlich nachvollziehbare Geschichte. Vielleicht warst du das Kind, das für gute Noten besonders viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Vielleicht hast du früh gemerkt, dass es leichter ist, geliebt zu werden, wenn man hilft, mitdenkt, funktioniert, statt einfach nur zu sein. Vielleicht hat dir auch niemand explizit gesagt, dass du dir deinen Platz verdienen musst aber irgendwie hast du es trotzdem so verstanden.

 

Das war damals klug von dir. Eine richtig gute Lösung für die Situation, in der du warst.

 

Das Problem ist nur, dass diese Lösung mitgewachsen ist, obwohl die Situation sich längst verändert hat. Du bist heute erwachsen, und trotzdem läuft im Hintergrund immer noch dasselbe Programm: Erst leisten, dann darfst du dich vielleicht ein bisschen wert fühlen.

 

Was in diesem Kreislauf wirklich passiert

 

Wenn ich mit Klientinnen genauer hinschaue, zeigt sich oft ein ziemlich ähnliches Muster. Du leistest etwas, und kurz danach kommt tatsächlich ein gutes Gefühl. Anerkennung, Erleichterung, vielleicht sogar etwas wie Stolz. Aber dieses Gefühl bleibt nicht. Es zieht sich relativ schnell wieder zurück, und übrig bleibt wieder diese gleiche Leere wie vorher.

 

Und dann tust du das Naheliegendste: Du versuchst, diese Leere mit noch mehr Leistung zu füllen. Mit der nächsten Aufgabe, dem nächsten Projekt, dem nächsten Beweis, dass du es wert bist, hier zu sein.

 

Nur leider funktioniert das nicht, weil Leistung etwas anderes ist als das, was du eigentlich suchst. Du kannst dir noch so viel vornehmen und abhaken. Das, was in dir fehlt, lässt sich damit nicht stopfen. Es ist, als würdest du versuchen, mit einem Schraubenzieher ein Schloss aufzubrechen, wo der passende Schlüssel eigentlich längst in deiner Hand liegt .

 

Was ich dir dazu wirklich sagen möchte

 

Du bist nicht falsch oder kaputt, weil du das so erlebst. Es geht so vielen Frauen, aber natürlich auch Männern so, die ich begleite, dass ich es schon fast als Muster unserer Zeit bezeichnen würde, wenn das nicht so abgegriffen klingen würde.

 

Was sich verändert, wenn ich mit Klient*innen an genau diesem Punkt arbeite, ist meistens nicht das Verstehen. Die meisten haben längst verstanden, woher das kommt. Was sich verändert, ist die Erfahrung. Der Moment, in dem du in einem Raum bist, in dem du nichts leisten musst, um dazuzugehören und merkst, dass dich trotzdem niemand wegschickt. Dass du einfach da sein kannst, mit allem, was an diesem Tag in dir los ist, und das reicht.

 

Diese Erfahrung kannst du dir nicht alleine im Kopf erarbeiten, egal wie viel du darüber liest oder mit dir selbst sprichst. Sie braucht echten Kontakt mit echten Menschen, die wirklich auf dich reagieren, nicht auf das, was du gerade geleistet hast.

 

Für manche entsteht dieser Raum in der Einzeltherapie. Für manche im engsten Kreis der Familie oder mit Freunden, die einen schon lange so kennen, wie man ohne Maske ist.

Und für junge Frauen, die genau das in einer Gruppe erleben möchten - in einem geschützten, therapeutisch begleiteten Rahmen über mehrere Monate - habe ich ab Herbst den Prozess SELBSTSEINDÜRFEN. ICH BIN. entwickelt.


Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier alle Informationen dazu:

 

Aber ganz gleich, welchen Weg du für dich findest: Der erste Schritt ist meistens derselbe. Zu merken, dass du nicht weniger wert wirst, wenn du aufhörst zu funktionieren. Und, dass genau dort, wo du aufhörst zu beweisen, etwas zu finden ist, das sich anfühlt wie du selbst.

 

 

Deine Anja Praxenthaler

 

 
 
 

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