Meine 9 Nicht-Vorsätze fürs neue Jahr
- info383497
- 31. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
„Ich hab’s nicht nötig, nicht mehr ich zu sein.“
Der Jahreswechsel gestaltet sich für viele nach dem Motto "Neues Spiel - neues Glück": gute Vorsätze, perfekte Pläne, optimierte Versionen von uns selbst. „Mehr Sport. Weniger Drama. Alles im Griff.“ Der Druck kommt also unweigerlich ins Scheinwerferlicht der Bühne unseres Lebens.
Aber was wäre, wenn wir den Druck einmal nicht mitmachen? Wenn wir ehrlicher wären – nicht perfekter? Wenn wir nicht weniger von uns selbst, sondern mehr sein dürften? Im Sinne von einzigartig unperfekt?
Als ich mich mit diesen Gedanken auseinandergesetzt habe, ist mir aufgefallen, dass das Umdenken in Richtung sich authentisch zeigen Dürfen, erstmal einige Knoten in meinem Gehirn verursacht hat.
Und dann ist es auf einmal leicht geworden. Lustig und fast schon ein wenig ganz natürlich.
Hier sind meine 9 Nicht-Vorsätze. Nicht, weil ich keine Ziele habe, sondern weil ich aufhöre, mich gegen das zu richten, was mich menschlich macht.

1. Ich hab nicht vor, mich nicht mehr zu zeigen, wenn’s unordentlich ist.
Ich bin kein Hochglanzprospekt, ich muss nicht glänzen, um akzeptiert zu werden. Mein Leben besteht aus Momenten, die nicht immer ins Raster passen. Ich bin echt - mit Flecken, Falten und Geschichten – und genau das macht mich menschlich. Wenn etwas unordentlich ist, zeigt es nur, dass ich lebe. Dass ich wachse. Dass ich nicht versuche, eine perfekte Version von mir vorzuspielen. Echtheit verbindet – Perfektion trennt.
2. Ich will nicht versuchen, nicht mehr verletzlich zu sein.
Verletzlichkeit ist nicht automatisch ein Indiz von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass mir etwas wichtig ist. Wenn mich etwas trifft, dann darf es das. Ich muss mich nicht zusammenreißen oder vorgeben, härter zu sein als ich bin, um eine gestandene Persönlichkeit zu sein. Ich bin ein Mensch – kein Roboter.
3. Ich nehme mir nicht vor, nicht mehr loszulassen.
Loslassen ist manchmal die einzige Form von Selbstachtung, die bleibt. Ich darf gehen, wenn meine Wertewelt, meine Moralvorstellungen, meine Gesundheit oder auch meine Entwicklung davon abhängen.. Nicht aus Flucht – sondern aus Verantwortung mir selbst gegenüber. Weiterzugehen bedeutet nicht, dass mir etwas nichts bedeutet hat. Es bedeutet, dass ich mir etwas bedeute.
4. Ich will nicht so tun, als bräuchte ich niemanden.
Ich war lange die, die stark sein musste. Die, die alles geregelt hat. Total autonom. Doch Stärke heißt nicht, alles allein zu tragen. Stärke heißt, die Hand auszustrecken, wenn es schwer wird. Ich muss nicht unabhängig bis zur Erschöpfung sein. Ich darf mich anlehnen. Ich darf Nähe brauchen. Ich darf Mensch sein.
5. Ich hab nicht vor, nicht mehr zu zweifeln.
Meine Zweifel halten mich wach und ehrlich. Sie schützen mich davor abzuheben und vor lauter Naivität davonzufliegen. Ich nehme sie als Zeichen, langsamer zu gehen und genauer hinzusehen. Zweifel entmutigen mich nicht – sie erden mich. Sie erinnern mich daran, dass ich mir selbst wichtig genug bin, angebliche Gegebenheiten zu hinterfragen und mich nicht widerstandslos kleinhalten zu lassen.
6. Ich will nicht aufhören, nicht mehr wütend zu sein.
Wut ist keine Bedrohung, sondern eine Botschaft. Sie zeigt mir, wo Grenzen überschritten werden und wo etwas in mir nach Veränderung ruft. Meine Wut ist kein Problem, das ich „wegtherapieren“ muss. Sie ist Energie, Klarheit und Richtung – mein innerer Kompass, wenn ich mich verirre.
7. Ich nehme mir nicht vor, nicht mehr so viel zu fühlen.
Ich möchte nicht kühler werden, nur um besser auszuhalten. Ich will lebendig bleiben, auch wenn es manchmal intensiv ist. Jedes Gefühl – Freude, Trauer, Sehnsucht, Irritation – bringt Farbe in mein Leben. Ich verweigere die Oberflächlichkeit. Ich entscheide mich für Tiefe. Für Echtheit. Für Lebendigkeit.
8. Ich hab nicht vor, nicht mehr genervt zu sein.
Genervtsein ist kein zickiger Makel – es ist ein Kompass. Es zeigt mir, was mir wichtig ist, wo ich Grenzen brauche und wo ich mich selbst verrate. Ich muss nicht immer harmonisch sein, um liebenswert zu sein. Ich darf Reibung erzeugen. Ich darf Meinung haben. Ich darf klar sein. Und ich darf das auch laut sagen.
9. Ich hab nicht vor, mich nicht mehr zu mögen, wenn ich’s wieder verbocke.
Ich werde Fehler machen. Vielleicht sogar die gleichen zweimal. Oder dreimal. Aber ich höre auf, mich dafür abzuwerten. Jeder Fehltritt bringt mich näher zu einer Version von mir, die mutiger, ehrlicher und weicher ist. Vielleicht erkenne ich darin meine Einzigartigkeit – nicht trotz meiner Unvollkommenheit, sondern wegen ihr.
Fazit: Nicht weniger von mir. Sondern mehr Echtheit.
Vielleicht geht es im neuen Jahr gar nicht darum, sich neu zu erfinden. Sondern darum, sich nicht länger gegen das zu wehren, was einen ausmacht.
Nicht gegen die Unordnung. Nicht gegen die Wut. Nicht gegen die Zweifel. Nicht gegen die Menschlichkeit. Nicht gegen die eigene Lebendigkeit.
Vielleicht ist das das mutigste Ziel überhaupt:
Ich werde immer mehr ich
– einzigartig unperfekt!
Deine Anja Praxenthaler




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