top of page

Du selbst werden: heimliche Vereinsamung oder Einladung die Kraft des Gemeinsamen zu nutzen

  • 26. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Du selbst sein. Oder soll ich lieber sagen: du selbst werden. Muss das wirklich einsam sein?


Ich frage mich das manchmal ehrlich gesagt selbst.


Diese Vorstellung, dass man sich zusammenreißen, in sich gehen, an sich arbeiten muss – immer irgendwie alleine, irgendwie im stillen Kampf, irgendwie ohne dass jemand sieht, wie anstrengend das eigentlich ist. Als wäre Wachstum etwas, das man im stillen Kämmerlein mit sich abmacht, und erst wenn man fertig ist, darf man wieder unter Menschen.


Ich glaube, das stimmt nicht. Und ich glaube, viele von euch haben das auch schon gespürt , auch wenn der Gedanke, sich Hilfe zu holen oder sich gemeinsam mit anderen auf den Weg zu machen, sich manchmal noch nach Schwäche anfühlt. Als wäre man weniger konsequent oder weniger ernsthaft bei der Sache, wenn man dabei nicht allein ist.


Anja Praxenthaler hält ein Buch vors Auge und schaut in die Kamera

Warum wir glauben, das alleine schaffen zu müssen


Es gibt so eine unausgesprochene Gleichung in unserer Gesellschaft: Wer an sich arbeitet, tut das für sich. Wer sich zeigt, ist vulnerabel. Und wer Unterstützung braucht, hat die Hausaufgaben noch nicht gemacht.


Ich finde, das ist einer der schädlichsten Mythen, die es im Kontext von Persönlichkeitsentwicklung gibt.


Nicht weil Alleinkämpfen per se falsch wäre. Manchmal braucht man genau das, die stille Stunde mit sich selbst, die ehrliche innere Auseinandersetzung ohne Publikum. Das hat seinen Platz und seinen Wert, absolut.


Aber wenn man ausschließlich alleine arbeitet, hat das eine ziemlich entscheidende Lücke: Man sieht sich nur durch die eigene Brille. Man bemerkt Muster oft erst dann, wenn man von außen gespiegelt wird. Man kann noch so viel reflektieren, manche Dinge zeigen sich erst im echten Kontakt mit echten Menschen, in echten Momenten, wo etwas passiert, das man nicht vorher geplant hat.



Was Gemeinschaft mit selbst werden zu tun hat – und warum das kein Kitschthema ist


Ich rede hier nicht von weichgespülten Gruppenumarmungen und kollektivem Gutfühlen. Das ist nicht mein Ding, und vermutlich auch nicht deins.


Ich rede davon, dass Veränderung – echte, dauerhafte Veränderung – fast immer im Kontakt passiert. Nicht im Kopf, nicht auf dem Papier, nicht beim Journaling um Mitternacht. Also nicht nur. Sondern in dem Moment, wo jemand etwas in dir berührt, das du alleine nicht berühren konntest. Wo du siehst, wie jemand mit einer Situation umgeht, die du auch kennst und plötzlich eine andere Möglichkeit erkennst. Wo du dich zeigst, ohne zu liefern, und merkst: Es passiert trotzdem etwas Gutes.


Aus meiner Sicht ist das keine Schwäche. Das ist schlicht und ergreifend, wie Menschen funktionieren. Wir sind von Anfang an auf Resonanz ausgelegt, auf Spiegelung, auf Kontakt. Das Einzelkämpfertum ist eine Anpassung und nicht natürlich.



Und dann ist da noch diese Frage, die mir unter den Nägeln brennt.


Gerade wenn es um Frauen geht.


Wir sind groß geworden in einer Welt, in der Konkurrenz unter Frauen – ob offen oder still, ob bewusst oder nicht – irgendwie immer mitschwang. Das Vergleichen. Das Beobachten, wer weiter ist, wer mehr hat, wer besser aussieht, wer sich besser zu verkaufen weiß. Und manchmal, ganz ehrlich, auch dieses kleine Gift: die Freude über das Straucheln der anderen, weil es die eigene Position sicherer erscheinen lässt.


Ich sage das nicht anklagend. Das ist keine Eigenschaft, die Frauen mitgebracht haben, denn das ist das Ergebnis einer langen Geschichte, in der Platz knapp war. In der es wirklich so war, dass eine Frau weiter oben bedeutete, dass du weiter unten landest.


Aber ich frage mich, wie lange wir das noch für wahr halten wollen. Ob das wirklich noch stimmt. Und was passieren würde, wenn nicht.


Was ich in meiner Praxis erlebe, und was ich auch in meinem eigenen Leben immer wieder erlebe: Frauen, die sich wirklich füreinander entscheiden, die sich nicht beobachten und bewerten, sondern die füreinander Raum halten, die verändern sich. Nicht trotzdem. Sondern genau deshalb. Weil in einem Raum, der nicht vom Vergleich lebt, etwas anderes möglich wird: ehrliche Begegnung. Echtes Erkennen. Die Erfahrung, dass du nicht alleine bist mit dem, was dich beschäftigt.



Was bedeutet das konkret für dich und für deinen Weg


Persönlichkeitsentwicklung ist kein Solosport. Aber sie ist auch kein Gruppenprojekt, bei dem alle dasselbe wollen oder zur gleichen Zeit an derselben Stelle sind.


Was sie braucht, ist ein Rahmen. Menschen, denen du vertraust, die dich weder in Watte packen noch zerreißen. Die dich sehen und nicht deine Leistung, nicht deine Fassade, sondern dich. Und denen du das Gleiche zurückgeben kannst.


Das kann in einer guten Freundschaft entstehen. In der Therapie. Im richtigen professionellen Umfeld. Für manche entsteht es in einer Gruppe: einem echten, begleiteten, über längere Zeit gewachsenen Raum, in dem Vertrauen nicht vorausgesetzt wird, sondern wächst.


Ich habe genau so einen Raum für junge Frauen entwickelt. SELBSTSEINDÜRFEN. ICHBIN. startet im Herbst 2026 und ist ein sechsmonatiger Gruppenprozess, in dem es genau darum geht: nicht alleine an sich zu arbeiten, sondern im Kontakt miteinander herauszufinden, wer man ist, wenn man nicht mehr kämpft. Wer neugierig ist, findet HIER alle Informationen.


Aber unabhängig davon – und das ist mir genauso wichtig: Schau dir an, wer in deinem Leben diesen Raum schon einnimmt. Oder einnehmen könnte. Wen du wirklich siehst. Von wem du dich wirklich gesehen fühlst. Und ob du dir das eigentlich erlaubst.


Meistens ist das die eigentliche Frage.



Deine Anja Praxenthaler

 
 
 

Kommentare


bottom of page