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„Ich bin zu viel" – Woher dieses Gefühl kommt und was es wirklich bedeutet

  • 24. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Ich bin zu viel. Oder doch nicht?


Vielleicht hast du diesen Satz noch nie laut gesagt.


Aber du hast ihn gedacht. Wahrscheinlich öfter, als dir lieb ist.


Nach einem Abend, an dem du viel geredet hast.

Nach einer Nachricht, auf die keine Antwort kam.

Nach einem Moment, in dem du einfach du warst – und danach das leise Gefühl hattest: zu laut, zu viel, zu intensiv.


Zu viel.


Dieser Satz ist tückisch. Nicht weil er laut schreit, sondern weil er sich so verdammt unauffällig anfühlt. Fast wie eine Tatsache.


Anja Praxenthaler hält einen Flyer in die Kamera auf dem steht: Selbst sein dürfen. Ich bin.

Woher kommt dieses Gefühl eigentlich?


Niemand wird mit der Überzeugung geboren, zu viel zu sein.


Das lernt man.


In dem Moment, wo jemand die Augen verdreht, wenn du redest. Wo du gemerkt hast, dass es ruhiger wird, wenn du dich zurückziehst. Wo Aufmerksamkeit bekommen und Aufmerksamkeit brauchen zwei verschiedene Dinge waren – und das zweite irgendwie nicht okay.


Du hast daraus eine Schlussfolgerung gezogen. Nicht bewusst, nicht mit Absicht. Eher so, wie man aufhört, eine heiße Herdplatte anzufassen – irgendwann einfach automatisch.


Und seitdem regulierst du dich. Vor dem Gespräch. Während dem Gespräch. Danach.


Du überlegst, wie viel du sagst. Wie viel du zeigst. Wie viel du sein darfst, bevor es kippt. Nicht weil du das willst. Sondern weil es sich irgendwann normal angefühlt hat.



Das Problem mit „zu viel"


Wenn du glaubst, zu viel zu sein, hörst du auf, dich zu fragen, was du eigentlich brauchst.


Du fragst nur noch: Ist das okay? Ist das zu viel? Kommt das gut an?


Und in diesem ständigen Abgleichen verlierst du etwas. Nicht dramatisch, nicht auf einmal. Ganz leise. Den Kontakt zu dir selbst.


Was du willst. Was dir gut tut. Was sich für dich stimmig anfühlt – unabhängig davon, ob es für andere passt.


Das ist das eigentliche Problem mit „zu viel". Nicht, dass du zu viel bist.


Sondern dass du angefangen hast, dich selbst durch die Augen anderer zu sehen – und vergessen hast, wie es sich anfühlt, durch deine eigenen zu schauen.



Was ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe


Frauen, die zu mir kommen und sagen: „Ich glaube, ich bin einfach zu intensiv für die meisten."


Und wenn wir genauer hinschauen, zeigt sich fast jedes Mal dasselbe: Da ist keine Frau, die zu viel ist. Da ist eine Frau, die gelernt hat, sich klein zu machen – und das so lange gemacht hat, dass sie ihre eigene Größe nicht mehr erträgt.


Das klingt hart. Ist es auch. Aber es ist auch das Ehrlichste, was ich dazu sagen kann.


Du bist nicht das Problem.


Du hast dich nur so lange an das Problem angepasst, dass du dich selbst dafür hältst.



Was sich verändern kann – und wie


Ich werde dir jetzt nicht sagen, dass du einfach mehr du selbst sein sollst. Das wäre so hilfreich wie „schlaf einfach besser, wenn du müde bist."


Was ich dir sagen kann: Diese Überzeugung, zu viel zu sein, ist keine Meinung, die du einfach änderst, wenn du es besser weißt. Sie ist eine Erfahrung. Und Erfahrungen verändern sich nur durch neue Erfahrungen.


Nicht durch den nächsten Podcast. Nicht durch noch mehr Nachdenken darüber, warum du so bist.


Sondern durch Momente, in denen du merkst: Ich war gerade wirklich ich – laut, direkt, ungefiltert – und niemand ist gegangen. Der Raum ist nicht zusammengebrochen. Und du auch nicht.


Diese Momente kann man sich nicht alleine basteln. Die brauchen echten Kontakt.



Deshalb gibt es ab Herbst:

SELBSTSEINDÜRFEN. ICHBIN.


Ich habe diesen Gruppenprozess für junge Frauen entwickelt, die wissen, was es heißt, sich ständig zu regulieren. Die aufgehört haben zu fragen, was sie wollen – weil die Frage, ob sie zu viel sind, lauter ist.


Sechs Monate. Eine kleine, feste Gruppe. Kein Kurs, kein Programm, kein „Werde jetzt endlich du selbst"-Versprechen.


Sondern Raum. Echter Kontakt. Und die wiederholte Erfahrung, dass da jemand sitzt – du – der nicht zu viel ist.


Dass das stimmt, wirst du nicht glauben, wenn ich es dir sage.


Aber du kannst es erleben.


Du warst es nie.







Deine Anja Praxenthaler

 
 
 

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