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Was, wenn dein Partner dich zur schlechtesten Version deiner selbst macht?

23. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Okt.


In den letzten Monaten habe ich viel darüber geschrieben, wie wir uns selbst verlieren. Wie wir funktionieren statt zu leben. Wie wir uns anpassen, bis wir irgendwann nicht mehr wissen, wo die Anpassung aufhört und wir selbst anfangen.


Das sind Themen, die mich bewegen in meiner Arbeit und auch ganz persönlich.


Aber es gibt eine Dimension, die ich bisher noch nicht wirklich angesprochen habe und die nochmal eine andere Qualität hat. Nämlich das, was passiert, wenn zwei Menschen mit ihren je eigenen Mustern, ihrer Geschichte, ihren inneren Bildern aufeinandertreffen. Was in der Einzelarbeit noch irgendwie überschaubar ist, entfaltet zwischen zwei Menschen eine ganz eigene Dynamik. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wer du bist, sondern darum, wer du wirst, wenn du mit diesem Menschen zusammen bist.


Und das ist eine ganz andere Frage.


Nicht weil er/sie ein schlechter Mensch ist. Nicht weil ihr euch nicht liebt, sondern weil ihr zusammen in einem Muster feststeckt, aus dem keiner von euch einfach so alleine rauskommt.


Irgendwann, nach fast unzähligen Versionen dieser destruktiven Hamsterräder mit Abwärtsspirale wenn Paare aufgehört haben, den anderen zu beschuldigen und anfangen, ehrlich zu sein, kommt die manchmal schmerzhafte Erkenntnis: „Himmel, nicht mein Gegenüber ist das Problem." Sondern: „Ich werde mit ihm/ihr zu jemandem, der ich eigentlich nicht sein will."


Das ist der Knackpunkt. Ab hier wird Veränderung möglich. Raus aus der Schuldzuweisung, rein in die Latschen der Eigenverantwortlichkeit. Vor der eigenen Haustüre kehren und gleichzeitig in echte Beziehung mit dem/der Partnerin gehen.

Aber eines nach dem anderen.



Du siehst es kommen und machst es trotzdem.


Kennst du diesen Bruchteil einer Sekunde, kurz bevor es eskaliert? Wo du denkst: Gleich passiert wieder dasselbe. Gleich werde ich kälter als ich sein will. Oder lauter. Oder ich ziehe mich wieder weg, obwohl ich eigentlich Kontakt will.


Und dann passiert es trotzdem. Du machst es trotzdem.


Das heißt nicht, dass du unter einer ausgeprägten Form von Willensschwäche leidest und es hat auch nichts damit zu tun, wie sehr ihr euch liebt oder wie gut ihr kommuniziert. Es liegt daran, dass dieser Moment schneller ist als dein Verstand. Da schaltet etwas auf Autopilot, das sich über meist lange Jahre eingeschliffen hat und das sich nicht verändert, nur weil du es dir vorgenommen hast.


Das ist die Mechanik von Beziehungsmustern, die sich längst verselbstständigt haben und ungezügelt und einfach so das Kommando und euer Zusammensein übernehmen.



Ihr macht beide das Richtige und zusammen macht ihr euch damit unglücklich.


Das ist das eigentlich Verrückte daran. Du ziehst dich zurück, weil du Abstand brauchst, das ist für dich völlig sinnvoll. Dein Partner liest das als Desinteresse und wird lauter, aus seiner Perspektive auch nachvollziehbar. Du ziehst dich noch mehr zurück, also wird er noch lauter. Beide handeln aus einem inneren Impuls heraus, der für sie Sinn ergibt und zusammen dreht ihr euch in eine Spirale, die beide erschöpft und keiner von beiden wirklich gewollt hat.


Was dabei passiert, ist: Du nimmst deinen Partner gerade gar nicht so wahr, wie er wirklich ist. Du nimmst das wahr, was eine alte Geschichte aus seinem Verhalten macht und er tut dasselbe. Zwei Menschen, die sich durch ihre eigene Brille sehen und sich deshalb manchmal kaum wirklich begegnen.


Das verändert sich nicht durch das nächste Gespräch und auch nicht durch den übernächsten Urlaub.


Was ich in meiner Arbeit mit Paaren erlebe


Die meisten Paare, die zu mir kommen, haben es bereits versucht. Die Gespräche gesucht, Ratgeber gelesen, Ich-Botschaften geübt und vier Wochen später stehen sie wieder an derselben Stelle.


Das liegt nicht an fehlender Einsicht, die haben die meisten mehr als genug. Es liegt daran, dass diese Muster nicht dort sitzen, wo Gespräche hinkommen. Sie sitzen tiefer:

  • in Reaktionen, die schneller sind als das Nachdenken

  • in inneren Bildern, die die Wahrnehmung färben, bevor man überhaupt entschieden hat zu reagieren


Genau da setze ich in der Paartherapie an. Nicht um herauszufinden, wessen Version der Wahrheit stimmt, sondern um das Muster zwischen beiden sichtbar zu machen und einen anderen Weg hindurch zu finden. Einen Weg, der nicht über noch mehr Reden läuft, sondern über echtes Erleben.


Das geht. Auch wenn es sich gerade festgefahren anfühlt wie Beton.


Wann ist der richtige Zeitpunkt?


Früher, als die meisten denken.


Nicht erst, wenn einer von beiden innerlich schon aufgegeben hat, oder erst, wenn die Krise ihren Höhepunkt erreicht hat, sondern dann, wenn ihr merkt:

  • Wir kommen hier nicht weiter.

  • Wir wollen beide dasselbe und schaffen es trotzdem nicht.

  • Wir wollen raus aus dem immer gleichen destruktiven, erschöpfenden Hamsterrad.


Das reicht! Das ist eigentlich der beste Zeitpunkt!


Wenn du dich hier wiedererkennst in der Spirale, im Schweigen, im Nebeneinander, das sich nicht mehr richtig anfühlt wenn du etwas Neues willst und damit meine ich nicht zwingend einen neuen Partner/eine neue Partnerin, dann begleite ich euch gerne in der Paartherapie mit neuen Ansätzen.






Deine Anja Praxenthaler

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